Gaston Florin und Jaqueline D’Arc brillieren
7. Dezember 2021
Dr. Hugh Bronson, MdA- Nachgefragt
9. Dezember 2021
alle anzeigen

Zwischen den Welten- Buchvorstellung

Foto: Frieling Verlag

Zwischen den Welten- Buchvorstellung 

Im Lateinischen ist der Spruch: „Ubi bene, ibi patria“ bekannt. Da, wo ich mich wohlfühle, ist mein Vaterland. 

Sophie Delest kam 1982 in Lodz zur Welt. Ihr Vaterland ist also Polen gewesen. Ihre Muttersprache ist polnisch. Warum es Vaterland und Muttersprache heißt, wollen wir heute nicht ergründen. Die Künstlerin Sophie Delest ist studierte Germanistin. Sie ist auch bekannt über Radiosendungen als Moderatorin bei „PolenflugNeo“ im „Radio Flora“. Ihre Sendungen trugen den Namen „Hallo aus Braunschweig“. Im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit stehen Geschichte, Sprache, Migration, Multikulturlandschaft. Sie ist Trägerin internationaler Preise von Theaterwettbewerben und Filmfestivals. Im September 2021 ist im Frieling Verlag zu Berlin ihr Buch „Zwischen den Welten“erschienen. Das Stück behandelt ein Stück zur Einheit Deutschlands. Das Werk umfasst 68 Seiten. Sophie Delest beschreibt einen wahren Fall. Im Mittelpunkt des Werkes steht die 1936 in Magdeburg geborene Ellen Schernikau. Ihr Sohn ist der Schriftsteller Ronald M. Schernikau. Er lebte von 1960 bis 1991. Ellen hat den Beruf Krankenschwester erlernt. Im Jahre 1966 übersiedelte sie aus der DDR nach Westdeutschland. 1989 dann ging es „Zurück auf Anfang“. Ellen Schernikau und ihr Sohn gingen kurz vor dem Zerfall der DDR in selbige zurück und nahmen die Staatsbürgerschaft der DDR wieder an. Der Autor Ronald M. Schernikau schuf ein Portrait seiner Mutter. Das Werk nannte er „Irene Binz. Befragung“. Das Werk regte Sophie Delest an, ein Drama zu erschaffen und ihm den Titel „Zwischen den Welten“ zu geben. Die Autorin verfasst dabei auch ihre persönlichen Erlebnisse auf dem Weg vom polnischen Lodz nach Westdeutschland und die Erfahrungen von Ellen Schernikau auf der Reise von der DDR in die Bundesrepublik Deutschland und dann wieder retour in die DDR. Sophie Delest verarbeitet in ihrem Werk auch die erfahrenen Geschichten anderer Migrantinnen und Migranten aus dem Sprachraum der slawischen Sprache in den indogermanischen Sprachraum. Sophie Delest und andere Umsiedler, Aussiedler, die mal deutschstämmige Polen, ein anderes Mal als Polnisch stämmige Deutsche bezeichnet worden sind, haben ja alle eine sprachliche Hürde zu überwinden gehabt. Sie haben einst beim Einkaufen, bei den Behörden, in der Schule, am Arbeitsplatz polnisch gesprochen. Ellen Schernikau und ihr Sohn sind von einer deutschsprechenden Region in eine deutschsprechende Region gesiedelt. Mutter und Sohn waren gerade in der DDR wieder angekommen, da zerfiel knapp fünf Wochen später das Land ihrer Sehnsucht. Warum siedelt man von A nach B und will Jahrzehnte später von B nach A? Sophie Delest geht u. a. den Fragen nach: Hat sich diese Staatengemeinschaft wirklich so sehr seit dem Zusammenbruch des Sozialismus verändert, wie wir es glauben wollen? Wann ist ein Mensch frei? Warum ist Deutschland ein so heiß begehrtes Ausreiseziel? Und warum sagen gleichzeitig viele Migranten nach vielen Jahren oftmals, dass Deutschland für sie keine neue Heimat geworden sei? 

Es gab immer Wanderer, sogar Prominenente, die von Ost nach West oder West nach Ost gegangen sind, mal freiwillig, mal unfreiwillig. Der Liedermacher Wolf Biermann, vor kurzem 85 Jahre alt geworden, wurde von den DDR-Verantwortlichen während eines Konzertes in Westdeutschland ausgebürgert und man hate ihm die Einreise in die DDR verweigert. Der Sänger und Schauspieler Manfred Krug durfte legal die DDR verlassen. Inwieweit er gezwungen worden ist, sein Domizil in Berlin-Pankow aufzugeben, darüber gab es später unterschiedliche Ansichten. Der Schauspieler Wolfgang Kieling siedelte 1968 nach Ostberlin um und kehrte wutentbrannt 1970 aus dem vermeintlichen Arbeiterparadies DDR wieder in den Westen zurück. Sophie Delest geht den Spuren von „normalen“ Leuten nach, die aus- bzw. übergesiedelt sind. Diese Leute sind keine promienten Sänger oder Schauspieler von Beruf. Das mindert aber keineswegs das löbliche Werk der Autorin. Besonders zeichnet sich das Werk auch aus diesen Umständen aus: Auf den S. 58/59 findet der Leser drei QR-Codes vor. Einer ist der Zugang zum Zweipersonenstück, einer der zum Monodrama und einer der zum Download zum Film. Das Buch von Sophie Delest „Zwischen den Welten“ ist im Frieling Verlag zu Berlin erschienen. Es kostet im deutschen Buchhandel 10 Euro. ISBN 9783828036611.

(Text: Volker Neef/Foto: Frieling Verlag)

Print Friendly, PDF & Email
Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.