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Die Gartenstadt Margarethenhöhe

Die Gartenstadt Margarethenhöhe

Die Ruhrgebietsmetropole Essen mit ihren fast 600.00 Einwohnern ist untrennbar mit dem Namen der Industriellenfamilie Krupp verbunden. Die Familie Krupp war es auch, die für die erste Wohnsiedlung in Deutschland verantwortlich war. 1910 erfolgte der Baubeginn. Den Auftrag zur Erstellung der ersten Wohnsiedlung auf deutschem Boden erhielt der Architekt, Stadtplaner und Designer Georg Metzendorf. Er lebte von 1874 bis 1934. Welch hohes Ansehen Georg Metzendorf seinerzeit genoss, kann man an folgendem Umstand entnehmen: Es war Kaiser Wilhelm II. persönlich, der den Architekten für Aufträge vorschlug, die im Rahmen der Weltausstellung 1910 in Brüssel als deutscher Beitrag gezeigt werden sollten. 1911 verlieh man ihm den Titel eines Professors. Erste Aufmerksamkeit erfuhr er 1899. Da erteilte der 1870 geborene Schriftsteller Wilhelm Holzamer dem Architekten den Auftrag, sein neues Haus im südhessischen Heppenheim zu planen und anschließend zu errichten. Margarethe Krupp, die von 1854 bis 1931 gelebt hatte, war über die 1906 vollzogene Hochzeit ihrer Tochter Bertha (1886 bis 1957) mit dem Diplomaten Gustav Georg Friedrich Maria von Bohlen und Halbach (1870 bis 1950) so sehr erfreut, dass sie ihre Freude der Allgemeinheit zeigen wollte. Der erfahrene Stadtplaner Metzendorf sollte auf Anweisung von Margarethe Krupp eine idyllische Gartenstadt errichten, die keine Wünsche offenlassen durfte. Kaufmannsläden, Handwerksbetriebe, Schulen, Arztpraxen, Kindertagesstätten sollten in der neuen Arbeiterwohnsiedlung schnell fußläufig zu erreichen sein. Ein großer Marktplatz, wo werktäglich Bauern frische Produkte verkaufen waren ebenso im Forderungskatalog der Fabrikantengattin wie Spielplätze und viel Grün. Die Krupps konnten wohl ob ihrer sehr guten Beziehungen zum Kaiser erreichen, dass der von Kaiser Wilhelm II. so sehr geschätzte Stadtplaner Metzendorf von allen Bauvorschriften befreit wurde. Er durfte so bauen, wie es ihm gefiel. Natürlich hatte Frau Krupp bestimmt immer das allerletzte Wort, aber sehr gutes Teamwork zahlt sich halt aus. Beim Betrachten der Margarethenhöhe kommt man bis heute nicht umhin, sich in Gedanken in einer englischen Landschaft aufzuhalten. Im „Kleinen Ateliershaus“ lebte von 1919 bis 1931 der Grafiker Hermann Kätelhön (1886 bis 1940). Das Haus befindet sich in der Sommerburgstraße. Einer der Mieter war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Prof. Hermann Schardt (1912 bis 1984). Er war Direktor der Folkwangschule für Gestaltung. Heutzutage beherbergt das Haus die Dauerausstellung „Die Gartenstadt Margarethenhöhe“. Naturliebhaber kommen in der Siedlung auch auf ihre Kosten. 1907 bereits stiftete Margarethe Krupp der Bevölkerung die „Promenadenschenkung“. Heute spricht man von den Waldparks Sommerburgtal und Nachtigallental. Von den insgesamt knapp 115 ha Fläche dieser Siedlung sind dem Wald 50 ha vorbehalten. Auf den 1,5 Quadratkilometern der Gartenstadt Margarethenhöhe fühlen sich die 7.300 Einwohner, die in 935 Gebäuden mit ca. 3.100 Wohneinheiten leben, pudelwohl. Es gibt lange Wartelisten für Interessierte, die in diesem Idyll wohnen möchten. Der weitgereiste Tourist ist in diesem südlichen Essener Stadtteil gerne gesehen. Seit über 100 Jahren kommen bereits Besucher aus aller Welt vorbei, um sich die Schönheiten der Gartenstadt Margarethenhöhe einmal anzusehen. (Text/Foto: Volker Neef)

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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