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Nachgefragt – Der Ramadan

Foto / Stimme-Der-Hauptstadt / Frank Pfuhl

Nachgefragt – Der Ramadan 

Rund 1,8 Mrd. Muslime feiern seit dem 14. April den für sie so heiligen Fastenmonat Ramadan. Unsere Redaktion sprach dazu mit Herrn Said Arif. Er ist seit 2014 Imam (Geistlicher) der Ahmadiyya Muslim Jamat (KdöR) in Berlin-Heinersdorf.

Allgemeine-Berliner-Zeitung:  Was ist der Sinn des Ramadans? 

Imam: „Der Sinn des Ramadans ist es, seinen inneren Kompass neu zu kalibrieren, zu reflektieren und die Prioritäten im Leben wieder richtig zu ordnen. Es ist ein Monat der spirituellen Anstrengung. Es geht nicht allein um den Verzicht auf das Essen und Trinken, sondern dass dieser Verzicht mit spiritueller Nahrung ergänzt wird. Die Spirituelle Nahrung ist das Gedenken an Allah, dass reflektieren über Seine Eigenschaften und die Anstrengung als Mensch, all diese wunderschönen Eigenschaften sich anzueignen und widerzuspiegeln. So kommt man dem Schöpfer näher und Seiner Schöpfung. Kurzum es ist ein Monat der spirituellen Reformation.“

Allgemeine-Berliner-Zeitung:  Wie feiern hierzulande Muslime den Ramadan?

Imam: „Im idealen Fall sind Muslime auf ihre Pflichtgebete intensiver fokussiert als sonst, sie verrichten sogar zusätzlich freiwillige Gebete um, bei Allah, Vergebung für Ihre Sünden und Schwächen zu bitten und so spirituelle Entwicklungssprünge zu vollbringen. Sie teilen und spenden; sorgen sich mehr als sonst um bedürftige Menschen; laden zum Iftar ein, besuchen frequentierter die Moschee. 

Diese spirituelle Weiterentwicklung ist eigentlich der Grund einer Freude, einer Feier. Ohne einen Fortschritt hat man eigentlich keinen Anlass zur Feier, sondern eher Trauer, dass man den Ramadan erlebt hat, aber die Chance nicht genutzt hat, um Fortschritte zu machen.“ 

Allgemeine-Berliner-Zeitung: Trotz Corona wird ja vielfach gearbeitet, sei es im Transportgewerbe, im Handel und im Gesundheitswesen beispielsweise. Haben Sie da eine Bitte oder Anregung jetzt, wie soll ich als Nicht-Muslim am Arbeitsplatz meinem muslimischen Kollegen begegnen? Kann ich ihm „Alles Gute zum Ramadan“ wünschen so wie man sich „Frohe Weihnachten“ wünscht?

Imam: „Einen gesegneten Ramadan oder Ramadan Kareem zu wünschen ist eine schöne Geste. Ansonsten ist da eigentlich nichts groß zu beachten. Wenn Mitmenschen gegenüber Muslimen, die Fasten, Rücksicht nehmen, was z.B. physische Arbeitslast anbelangt, ist das auch eine schöne Geste, aber ich finde, dies sollte keine Forderung seitens des Fastenden sein.“ 

Allgemeine-Berliner-Zeitung: Sobald wir wieder Corona-freie Zeiten haben und man möchte mehr zum Leben und der Traditionen der Muslime erfahren, wie kann man Sie erreichen?

Imam: „Man kann einfach die nächste Moschee besuchen. Die allermeisten Moscheen sind offen für alle Menschen. Vielen Menschen ist das gar nicht klar, dass sie unkompliziert eine Moschee besuchen können. Daneben kann man natürlich über muslimische Freunde, Nachbarn und Bekannte mehr erfahren. Wir selbst sind sehr leicht über unsere Internetpräsenz www.ahmadiyya.de zu erreichen.“ 

Allgemeine-Berliner-Zeitung: Vielen Dank für das Gespräch. (Text/Foto: Frank Pfuhl)

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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