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Das Ruhrgebiet weint- Dr. med. Ludger Stratmann verstorben

Dr. med. Ludger Stratmann Foto: Dirk Schäfer/Magazin ESSENZ

Das Ruhrgebiet weint- Dr. med. Ludger Stratmann verstorben

Das Ruhrgebiet weint! Der Arzt, Intendant und Kabarettist Dr. med. Ludger Stratmann ist am 25. August verstorben. Er wurde 73 Jahre alt.

In Verl in Westfalen kam Ludger Stratmann 1948 als eines von neun Kindern zur Welt. Der Kohlenpott war sein Zuhause. Bevor Ludger Stratmann seine Bühnenlaufbahn begann, drehte sich bei ihm Anfangs alles nur ums Geld, aber nicht seinem eigenen. In Essen erlernte er den Beruf des Sparkassenkaufmannes. Auf dem Zweiten Bildungsweg holte er das Abitur nach und studierte, natürlich in den Ruhrgebietsstädten Bochum und Essen, erfolgreich Medizin. In Bochum promovierte er. Bis 1998 praktizierte er in einer eigenen Arztpraxis in Bottrop. Hatte er zuvor, mehr als Freizeitgestaltung, kleine Auftritte als Kabarettist, kam dann im Kunstbereich der ganz große Durchbruch. Alle Kabarettstücke verfasste er selber. Mit Bühnenstücken wie „Hauptsache, ich werde geholfen!“; „Heute komm ich mal mit meinem Bein!“; „Hauptsache nich fettich…“; „Machensichmafrei, bitte!“ sowie „Kunstfehler“ und „Pathologisch“ eroberte er im Sturm sein Publikum. Der in Köln beheimate WDR wurde sein Haussender. Zahlreiche Auftritte übertrug der WDR in voller Länge. Die Grugahalle in Essen fasst ca. 4.500 Besucher. Trat dort „Der Doktor“ auf, waren kurz nach Eröffnung des Kartenverkaufs die Kartenhäuschen menschenleer. Die Kartenverkäufer mussten ein Schild aushängen, auf dem zu lesen stand: Ausverkauft. Die Stadt Herne ehrte ihn im November 2009 mit dem Tegtmeiers-Erben-Ehrenpreisreis. In Herne befindet sich auch das Volkstheater „Mondpalast“. Ludger Stratmann und sein Bruder haben es gegründet. Beim zweitgrößten deutschen Volksfest, der in Herne-Crange stattfindenden Cranger Kirmes, traf man in immer bei der Eröffnungsfeier an. „Der Doktor“ war ein bescheidener Mann, der das Wort Starallüren nicht kannte. Er suchte mit den Patienten, den Zuschauern, den Bürgern den Dialog. Er war ein sehr guter Zuhörer und hatte für jeden seiner Mitmenschen immer nette Worte parat. Er belegte auch, dass Ehen von prominenten Künstlern aus Stein gemeißelt sein können! Mit seiner Gattin Brigitte war er seit 1971 verheiratet. Das Ruhrgebiet, ja der gesamte deutschsprachige Raum, verliert durch den Verlust von Dr. med. Ludger Stratmann ein Original, einen sehr liebenswerten und wunderbaren Menschen. Wer ihn kannte, ihn erleben durfte, hatte unvergessliche Augenblicke genießen dürfen. Die Menschen im Ruhrgebiet verneigen sich tief vor diesem ihrem einmaligen Idol aus ihren Reihen und sagen als allerletzten Gruß zum Doktor: „Mach ett guth! Danke für allett, watte für datt Ruhrgebiet und säine Läute gemacht hasss, lieber Ludger!“ (Text: Volker Neef/Dirk Schäfer, Magazin ESSENZ)

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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