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Chronologie eines Gangsterlebens- Buchbesprechung 

Foto: Frieling Verlag

Chronologie eines Gangsterlebens- Buchbesprechung 

Fikret Catic übte einst einen Job aus, den man nicht ausüben sollte! Er war Gangster. Er machte sich einen Namen in der Bundeshauptstadt als Einbrecher und Partykönig. Nach dem Motto: „Wie gewonnen, so zerronnen“ wird das ergaunerte Geld für „Wein, Weib und Gesang“ ausgegeben.

Dabei hätte das alles nicht sein müssen. Fikret wächst als Kind in einer liebevollen Familie auf und wird gut behütet. Mit 12 Jahren bereits, also noch gar nicht strafmündig, fängt die Karriere als Ganove an. 

Manchmal sind es die kleinen Momente, die so entscheidend im Leben sein können. Davon erzählt uns der Autor Fikret Catic persönlich. Sein Werk „Chronologie eines Gangsterlebens“ kam im September 2021 im Frieling Verlag zu Berlin heraus. Es umfasst 244 Seiten. Der große Wendepunkt wird von Catic ab S. 86 beschrieben im Kapitel „Knast Teil 1“. Nach durchzechter Nacht wollte sein Kumpel noch die berühmte schnelle Mark machen bei einem totsicheren Ding. Ein Sonnenstudio und die Bargeldkassette waren in den Fokus der Halunken gerückt. Man wusste, eine Seniorin sitzt an der Kasse und die wird keine großen Probleme machen. Die Dame erwies sich aber als taffe Lady und schrie so laut um Hilfe, als ginge es nicht um die Kassette, sondern um ihr Leben. Catic stand Schmiere und sah und hörte, welche Schwierigkeiten sein Kumpel bei diesem so angeblichen totsicheren Ding bekam. Mit der Kassette in der Hand rückte Fikret in die eine Richtung, der Mittäter in die andere Richtung ab. Nach der nächsten durchzechten Nacht standen am frühen Morgen zwei Kripobeamte vor seinem Bett. Glücklicherweise war Catic allein zu Hause gewesen und kein Familienmitglied hatte die Verhaftung miterleben müssen. Der Untersuchungsrichter drückte ihm den Haftbefehl in die Hand. Nun begann etwas, was der Ganove als Demütigung empfand. Er war splitternackt in der U-Haft in Moabit. „Man befahl mir, die Beine zu spreizen, um so zu kontrollieren, ob ich mir möglicherweise irgendwelche verbotenen Gegenstände in meine Körperöffnungen eingeführt hatte. Eine routinemäßige Prozedur, der sich jeder neue Gefangene unterziehen muss“. Die Demütigung ging aber weiter. „Ich musste jetzt wie jeder andere Gefangene einheitliche Anstaltsklamotten tragen. Man warf mir ein paar gebrauchte XXL-Unterhosen zu, die mit Sicherheit nicht einmal mein Urgroßvater getragen hätte. Ein Paar von Motten zerfressene Unterhemden“. (S. 89). Die T-Shirts „riechen nach Moder“. Die Schuhe sind zwei Nummern zu groß. „Ich kam mir vor wie ein Clown“. Er redet davon, er sei eingekleidet worden „wie Rumäniens next superstar“. Da machte es das erste Mal so richtig Klick in seinem Hirn. Fikret Catic stellte sich selber die Frage, ob er im Leben alles richtig gemacht hatte bisher? Will er so weiterleben? Gangsterdasein bedeutet ja: Mal draußen in Freiheit zu sein, dann mal wieder für einen Zeitraum, den ein Richter festgelegt hatte, aus dem Zellenfenster in die Weite Berlins schauen zu müssen.

Nach dem Motto: „Da besinnt sich das große Kind“ ändert er sein bisheriges Ganovenleben.

Mit viel Charme und der berühmten Berliner Schnauze berichtet der Autor von seinem Leben vom Verbrecher zum Mann, der ein geordnetes Leben führen möchte. Das Werk „Chronologie eines Gangsterlebens“ von Fikret Catic ist im Frieling Verlag zu Berlin erschienen. Es kostet im deutschen Buchhandel 13,90 Euro. ISBN 978-3-8280-3518-8. (Text: Volker Neef/Foto: Frieling Verlag)

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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