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Bayerischen Staatsoper – Orphea in Love: Welturaufführung des Opernfilms

Orphea in Love: Sopranistin Mirjam Mesak und Tänzer Guido Badalamenti (Foto: Joachim Skambraks)

Bayerischen Staatsoper Orphea in Love: Welturaufführung des Opernfilms

Der charismatische und begeisternde Regisseur Axel Ranisch hat in Kooperation mit der Bayerischen Staatsoper eine zeitgenössische Neuinterpretation des oft verwendeten antiken Mythos geschaffen. Normalerweise muss der begnadete Sänger Orpheus seine verlorene Geliebte Eurydike in der Unterwelt retten und scheitert. Doch das Drehbuch für den Film „Orphea in Love“ sieht andere Rahmenbedingungen vor. Die Call-Center Angestellte Orphea (großartig in Spiel und glasklarem Sopran Mirjam Mesak), natürlich eine begnadete Sängerin, verliebt sich in einen Kleinkriminellen (entwickelt mit Leichtigkeit seine eigene Körpersprache des Tanzens Guido Badalamenti), dessen Leidenschaft dem Tanzen gehört. 

Der Künstleragent Höllbach (makaber und dämonisch gespielt von Heiko Pinkowski) verpflichtet Orphea dazu, ihm ihre Stimme zu übergeben um den verunglückten Tänzer das Leben zu retten. So soll seine Gespielin, einer ihrer Stimme beraubten Opernsängerin (Grotesk und exzentrisch gegeben von Ursina Lardi) wieder mit der erpressten Gesangsstimme vor Publikum in einer äußerst kuriosen und eigenwilligen und deswegen sehenswerten Inszenierung glänzen kann. Eine Wendung bekommt der Film, als die bezaubernde Jacqueline D’Arc (a k a Gaston Florin) als charmante Zauberin einen Hinweis auf die erwiderte Liebe des Tänzers an Orphea gibt. 

Bei der Premierenfeier: Jacqueline D’Arc und Mirjam Mesak (Foto: Joachim Skambraks) 

So muss sie in eine Traumwelt hinuntersteigen und sieben Türen mit drastischen Szenen ihres vergangenen Lebens durchschreiten. Die Szenen dieser Konfrontation sind eindringlich mit poetischen, romantischen, lustigen, starken und erschütternden Bildern angelegt. Axel Ranisch führt den Zuschauer gedanklich in Straßen einer Handlung und reißt ihn abrupt wieder heraus. So kann man die Orientierung verlieren, was diesen Film genau deswegen interessant macht. Man kann sich aber auch dem großartigen Filmwerk und seiner einer Achterbahnfahrt gleichenden Handlung hingeben darin abtauchen. Und der Fantasie des Films vertrauen. 

Regisseur Axel Hanisch mit seinen Darstellern (Foto: Joachim Skambraks) 

Es stellt sich auch die Frage: Wie kann Oper im Kino interpretiert werden? Oder: Wie kann das Filmformat für die Oper funktionieren? Und noch wichtiger? Können damit neue Zuschauergruppen gewonnen werden? So wie hier eine neue Art des Rezeption und des Erlebens aller Teile der Performance durch die Verknüpfung von Gesang, starker Musik, Theater, Film, Licht, Kostümen und bewegenden Bildern und Kamerawege geschaffen wird, gelingt das. 

Da Ende bleibt offen. Das Liebespaar findet zueinander. Doch kann Orphea ohne ihren Gesang leben? Der Regisseur lässt dem Zuschauer die Entscheidung offen. So bleibt die Hoffnung: Wenn schon der mit viel Nebel, Licht und Fackeln großartig inszenierte Höllengang ein Fake war, warum soll der vermeintliche Fake-Zauber ihr nicht auch die Stimme zurückgeben? 

Text/Foto: Joachim Skambraks, Stimme der Hauptstadt Berlin – Chefredaktion München und Bayern 

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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