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18. Mai 2021
Gerade lese ich -Autorin Stephanie Clasemann berichtet
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101 Jahre „Groß – Berlin-Gesetz“

Reinhard Frede (Foto: Regine Peter)

101 Jahre „Groß – Berlin-Gesetz“

Im Gespräch mit Reinhard Frede 

Wir hatten ja über das „Groß-Berlin-Gesetz“ vom 27. April 1920 bereits berichtet. Der Parlamentsbeschluss vom 27. April 1920 trat am 1. Oktober 1920 in Kraft. Der Beschluss ist nun über 101 Jahre alt. Durch den Zusammenschluss mehrerer früherer selbständigen Ortschaften und Gehöfte vergrößerte sich die Landfläche von Berlin um das 13 fache. Darüber sprachen wir mit einem „Betroffenen“, sozusagen.  

Reinhard Frede ist von Beruf Versicherungsmakler. In Alt-Mariendorf ist seine Agentur ansässig. Reinhard Frede hat erfolgreich Publizistik, BWL und Politik studiert. Er ist Vater von 2 erwachsenen Kindern. Im Jahre 2016 nahm er sein Mandat als BVV-Vertreter im Bezirk Tempelhof-Schöneberg an und ist seitdem Vorsitzender der FDP-Fraktion.   

Stimme-Der-Hauptstadt: Wenn es vor 101 Jahren nicht zum „Groß-Berlin-Gesetz“ gekommen wäre, dann wären Sie heute maximal Randberliner.

Reinhard Frede (lachend): „Da haben Sie natürlich Recht! Dann träfe für mich auch nicht das gern gesungene Lied mit den Zeilen zu: „Berlin, Berlin, Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin, nach Berlin, wo die Verrückten sind, da musst Du hin!“ 

So lautet ja auch eine gebräuchliche Redensart um auszudrücken, dass jemand einen „Vogel“ hat. Das Gesetz über die Einheitsgemeinde von Groß – Berlin war keineswegs verrückt, sondern es war die Grundlage für eine prosperierende Hauptstadt bis in die heutige Zeit. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1920 wurden insgesamt 8 Städte, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke unter erheblichen Geburtswehen zusammengeschlossen. Sie haben sich für ihre Zustimmung eine weitgehende Selbstverwaltung ausbedungen, zum Beispiel in der Entscheidungskompetenz über die Schul- und Bildungspolitik.

Die vormals selbständigen Städte waren die späteren Groß-Berliner Bezirke Charlottenburg, Köpenick, Lichtenberg, Neukölln, Schöneberg, Spandau, Wilmersdorf und die Stadt Berlin. Seit 1871 war Berlin die Hauptstadt des von Otto von Bismarck gegründeten Deutschen Reichs.

Wie das Ruhrgebiet war auch Berlin samt dem Umland ein industrielles Zentrum Deutschlands. Durch den enormen Zuzug von Arbeitskräften wurden ständig mehr Flächen für Wohnungen, Gewerbe und Industrie benötigt. Der Wert der Grundstücke stieg mit der Nachfrage fast ins Unermessliche. Die daraus resultierenden Probleme waren den heutigen sehr ähnlich. Auffällig ist die Größe und ehemalige Pracht des Rathauses Friedenau, welches die sogenannten „Millionenbauern“ durch den Verkauf ihrer Ländereien in der Schöneberger Dorfaue finanzieren konnten“.

Stimme-Der-Hauptstadt: Durch den Zusammenschluss von Tempelhof mit Schöneberg im Jahre 2001, was hatte sich da verändert?

Rathaus Schöneberg, Seitenansicht. Foto / Stimme-Der-Hauptstadt Frank Pfuhl

Reinhard Frede: „Durch die Bezirksgebietsreform vom 1. Januar 2001 hatte der heutige Bezirk Tempelhof – Schöneberg plötzlich drei Rathäuser und die entsprechenden Unterhaltungskosten zu tragen. Wegen des enorm großen Instandhaltungsrückstaus hat das Bezirksamt das Rathaus Friedenau 2011 an den Senat von Berlin abgegeben. Auf die dort vorhandenen vielfältigen Büroräume wurde damit verzichtet. Stattdessen wurden für teures Geld anderswo – in Alt-Mariendorf – neue Büroflächen an diversen Standorten in erheblicher Größenordnung neu angemietet. Diese Fehlentscheidung der Bezirksbürgermeisterin Schöttler kann man nicht nachvollziehen“. 

Stimme-Der-Hauptstadt: Bitte konkretisieren Sie das noch ein wenig.

Reinhard Frede: „Das kann ich gerne tun. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat sowohl in der Rathausstraße als auch in der Großbeerenstraße 2 – 10 mit erheblichem Aufwand mehrere Etagen für das Straßenamt herrichten lassen. Die Mietzahlungen sind nicht unerheblich und steigen jedes Jahr an. Das Bezirksamt braucht ständig mehr Büroflächen durch den Stellenaufwuchs. Im Rathaus Friedenau wäre kein Mietzins angefallen. Einige Flächen, die vormals von Bank, der Kantine und dem Theater genutzt worden sind, hätte man auch aus- und umbauen müssen. Der regelmäßig steigende Mietzins in der Großbeerenstraße beim Vermieter DDS Conferencing Center hätte besser für die stückweise Instandsetzung des Rathauses Friedenau eingesetzt werden sollen. Beispielsweise wäre die sehr gut nachgefragte Gerhard-Hauptmann-Bibliothek im Rathaus Friedenau heute noch für Groß und Klein geöffnet. Heutzutage kommt stattdessen nur einmal die Woche ein Bücherbus“.

Stimme-Der-Hauptstadt: Vielen Dank für das Gespräch. (Text: Volker Neef/Fotos: Frank Pfuhl; Regine Peter)

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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