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Wo ist das liebe (Bar-)geld nur geblieben?

Foto: Frank Pfuhl

Wo ist das liebe (Bar-)geld nur geblieben?

Die Komikerin, Sängerin, Schauspielerin und Entertainerin Helga Hahnemann (1937 bis 1991) hatte mit ihrem Lied „Wo ist das liebe Geld nur geblieben?“ einen riesigen Erfolg.

Unsere Frage heute beschäftigt sich nicht mit dem Thema Armut, also ob ein Bürger ausreichend Geld besitzt, um in Würde sein Leben zu gestalten. Es geht um das Thema Bargeld, Geldkarte, Geldautomat.

Banken und Sparkassen hierzulande dünnen sowohl ihr Filialnetz als auch die Anzahl der Geldautomaten immer mehr aus. Senioren, Menschen mit Handicap, Bürger ohne Auto in ländlichen Gemeinden haben immer mehr Schwierigkeiten, an ihr Geld zu kommen. Darüber sprachen wir mit dem FDP-Politiker Thomas Seerig. Er gehörte von 1990 bis 1995 sowie von 2016 bis 2021 dem Berliner Abgeordnetenhaus an. Er ist Vorsitzender des Fachausschusses Soziales & Familie der Berliner FDP. Zudem ist er Vorsitzender der FDP in Steglitz.

Thomas Seerig (Foto: Stimme-Der-Hauptstadt Michael Königs)

Stimme-Der-Hauptstadt: Jammert man auf hohem Niveau oder bereitet Ihnen jeder abgebaute Geldautomat und jede geschlossene Bank und Sparkasse Sorgen?

Thomas Seerig: „Sorgen bereitet es mir noch nicht. Es ist ein natürlicher Vorgang, wenn das stetige Wachstum des Online Bankings Folgen für das Vor-Ort-Angebot hat. Wenn immer mehr Menschen – nicht nur jüngere – keine Filiale mehr brauchen, wird es auch weniger geben.

Trotzdem braucht es natürlich eine Mindestversorgung, denn nicht jeder kann oder will seine Geldgeschäfte online erledigen. 

Und Geldautomaten braucht es trotz Corona-Zeiten auf jeden Fall, da Bargeld „geprägte Freiheit“ ist und man mit Barzahlungen etwas weniger transparent für die Datenkraken ist.

Insofern stören mich wegfallende Geldautomaten mehr als geschlossene Filialen“.

Stimme-Der-Hauptstadt: Die Geldinstitute verweisen ja darauf, man könne im Supermarkt, in Drogeriemärkten und in anderen Einzelhandelsläden Bargeld abheben. Für Sie keine gute Lösung bzw. Alternative?

Thomas Seerig: „Dies ist zumindest eine gute zusätzliche Möglichkeit an Bargeld zu kommen und mit diesem Angebot wird das Netz wieder etwas dichter.

Komplett ersetzen können diese Angebote die Geldautomaten der Banken aber nicht; denn erstens ist die Diskretion im Supermarkt weniger gegeben und vor allem sind nur die Bankangebote auch auf größere Beträge ausgelegt – die man gelegentlich auch mal braucht. Zum Beispiel weil das System eines Ladens die EC-Karte ablehnt oder ein Limit erreicht ist“.

Stimme-Der-Hauptstadt: Sie gehören einer Partei an, die nicht dafür bekannt ist, alles und jedes gesetzlich zu regeln. Ihre Partei gilt als liberal, auch als wirtschaftsliberal.

Banken und Sparkassen werden Ihnen ja auch immer mit dem Argument der ständig steigenden Kosten kommen und dem saloppen Hinweis, Banken und Sparkassen übernehmen nicht die Rolle des barmherzigen Samariters. Was entgegnen Sie diesen Aussagen?

Thomas Seerig: „Banken haben natürlich keine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die sie jenseits eigener Interessen erfüllen müssen.

Dies ist bei Sparkassen mit ihrer öffentlich-rechtlichen Struktur schon anders. Hier erwarte ich die Erfüllung der Grundbedürfnisse – also ein Mindestangebot an Filialen und Automaten. Oder auch Sparkassenbusse, nicht nur auf dem Land.

Aber auch die Banken sehe ich als Liberaler in der Pflicht zum Angebot. Wer sich als systemrelevant ansieht und – wie in der Bankenkrise – staatliche Gelder haben will, muss sich auch seiner gesamtgesellschaftlichen Verantwortung stellen und kann sich nicht mit Gewinnoptimierung herausreden“. 

Stimme-Der-Hauptstadt: Vielen Dank für das Gespräch. (Text: Volker Neef/Fotos: Frank Pfuhl; Michael Königs)

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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