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Ist der „Veggie Day“ okay?

Foto : Stimme-Der-Hauptstadt / Frank Pfuhl

Ist der „Veggie Day“ okay?

Von 2005 bis 2013 führte die Berliner Bundestagsabgeordnete Renate Künast die Fraktion von Bündnis90/Die Grünen an. Von 2001 bis 2005 war sie Bundeslandwirtschaftsministerin. Von ihr stammt die Idee des „Veggie Day“. Der „Veggie Day“ besagt, einmal in der Woche soll in deutschen Kantinen nur vegane oder vegetarische Kost gereicht werden. Der Hintergrund dieser Forderung ist, den Fleischkonsum zu reduzieren. Speziell der Donnerstag war auserkoren worden, als veganer bzw. vegetarischer Kantinentag Einzug zu halten. Die Spitzenkandidatin 2013 von Bündnis 90/Die Grünen, Katrin Göring-Eckardt, fand die Idee sehr sympathisch. Wie das so bei Ideen ist: Mancher findet eine Idee genial, ein anderer hingegen sieht darin nur eine Lachnummer. 2013 sprachen CDU/CSU und selbst die SPD, man bildete ja damals bereits die Bundesregierung, von einer Bevormundung der Bürger. Die FDP schloss sich von außen dieser Aussage an. Sie war ja während des Bundestagswahlkampes 2013 nicht im Bundestag vertreten. 2009 scheiterte sie an der 5 Prozent-Hürde und musste den Plenarsaal räumen. Überliefert ist von Göring-Eckhardt die damalige Aussage: „Man muss nicht jeden Tag 2 Burger essen“. Schließlich ist reduzierter Fleischkonsum ein Beitrag für die eigene Gesundheit und sowohl für den Tier- als auch den Klimaschutz. Fairerweise muss betont werden, dass die Grünen niemals per Gesetz einen „Veggie Day“ einführen wollten bzw. immer noch wollen. Denkverbote solle es nicht geben. Kann vielleicht ein „Veggie Day“ breite Anerkennung finden, wenn er steuerlich bezuschusst wird? In der Kantine kostet das Menü beispielsweise am Donnerstag nur die Hälfte des Preises im Gegensatz zum Vortag oder des nächsten Tages. Wer katholischen Glaubens ist und seine Religion praktiziert, kennt ja das Fleischverbot am Freitag. In katholischen Betrieben, Krankenhäusern, Mensen, Kitas und Schulen werden am Freitag Eier-, Kartoffel- oder Mehlspeisen serviert und im Sommer Obst und Gemüse. Die religiöse Vorschrift kommt aber nicht an den „Veggie Day“ heran. Der „Hase liegt hier im Pfeffer“ beim Fisch. Der Katholik ist frei von Sünde, wenn er am Freitag Fisch statt Fleisch verzehrt. Es ist ja sicherlich so, hierzulande wird niemand sterben, wenn er einmal die Woche auf Fleisch verzichten soll. Menschen, die den Hungertod in Deutschland sterben, sind glücklicherweise sehr, sehr selten. Man gehört ja nicht zu den Armenhäusern dieser Welt. Wie ist es aber eigentlich heute bei den Grünen um den „Veggie Day“ bestellt? Ist das der berühmte Schnee von gestern? Ist der Einfall aus dem Jahre 2013 noch in Grünen-Köpfen 2021 vorhanden? Hält man sich vielleicht nur zurück, weil es Stimmen kosten könnte? Wartet man die Grünen-Kanzlerschaft ab oder zumindest eine Regierungsbeteiligung ab Herbst? Spannende Fragen! Der Wähler, der mit einem Kreuzchen bei der Wahl für die Grünen liebäugelt, sollte seinen Grünen Wahlkreiskandidaten mal kontaktieren und ganz konkret nachfragen.

(Text/Foto: Frank Pfuhl)

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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