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„Platz der deutsch-französischen Freundschaft“ eröffnet

Kampfpanzer AMX 308 (Foto: Volker Neef)

„Platz der deutsch-französischen Freundschaft“ eröffnet

Die Republik Frankreich war von 1945 bis 1994, also fast ein halbes Jahrhundert lang, eine der Schutzmächte im freien Berlin.

2.600 Soldaten aus Frankreich waren in Berlin stationiert. Als einzige westliche Schutzmacht besaß Frankreich einen eigenen Bahnhof. Dreimal wöchentlich ging es damals vom französischen Bahnhof in Tegel (er trug den französischen Namen Gare Francais a Berlin) zum Bahnhof Straßburg ins Elsass. 

Frankreich war zuständig für Reinickendorf und den damals noch selbständigen Bezirk Wedding. Ein kleiner Eiffelturm in der Müllerstraße 75 im Wedding sowie der Deutsch-Französische Kindergarten in der Afrikanischen Straße und zahlreiche Straßennamen im Bezirk Reinickendorf und Deutsch-französische Europaschulen dort zeugen von der Verbundenheit zwischen den beiden Nachbarländern. Aus dem Kriegsgegner Frankreich wurde im Laufe der Jahre eine Schutzmacht, entstanden bis heute anhaltende Freundschaften.

Am 14. Juli, dem Nationalfeiertag Frankreichs, konnte Kommandeur Brigadegeneral Jürgen Uchtmann im Wedding in der Julius-Leber-Kaserne geladene Gäste aus den Reihen der Diplomatie, Politik und Gesellschaft begrüßen. An der Spitze stand Ihre Exzellenz, die Botschafterin der Republik Frankreich in Deutschland, Frau Anne Marie Descôtes. Man traf u. a. auch an: Detlef Dzembritzki (SPD), von 1998 bis 2009 Bundestagsabgeordneter und von 1989 bis 1995 Bezirksbürgermeister von Reinickendorf; Reinhard Führer (CDU), Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses a. D.; Jörg-Otto Spiller (SPD), von 1986 bis 1994 Bezirksbürgermeister von Wedding und von 1994 bis 2009 Bundestagsabgeordneter. Ein großes militärisches   Zeremoniell durfte man in der Julius-Leber-Kaserne erleben. Eine Militärkappelle der Bundeswehr spielte die „Berliner Luft“ von Paul Lincke, die französische und die deutsche Nationalhymne sowie die Europahymne. Soldaten hissten die Flaggen von Berlin, Deutschland, Frankreich und Europa. In der Kaserne befindet sich nunmehr eine militärhistorische Sammlung.  Sie befindet sich am neugeschaffenen „Platz der deutsch-französischen Freundschaft“. Leiter der militärhistorischen Sammlung ist Oberst Andreas von Studnitz. 

Detlef Dzembritzki  (Foto: Volker Neef)

Heimgekehrt aus Frankreich nach Berlin ist ein Kampfpanzer. Dabei handelt es sich um den AMX. Man baute ihn erstmals in den 1960er-Jahren. Rund 2.300 Panzer dieses Typs hatte Frankreich produziert. Der AMX besitzt ein automatisches Feuerleitsystem. Er kann Geschosse mit einer Austrittsgeschwindigkeit von rund 1,5 Kilometern pro Sekunde abfeuern. Dieser Panzer aus französischer Produktion wird von Militärexperten als Gegenstück des deutschen Panzertyps Leopard angesehen. Das Fahrgestell des AMX diente auch einst dazu, dieses Militärfahrzeug als Flakpanzer oder Panzerhaubitze oder Spähpanzer zum Einsatz zu bringen. Jetzt steht ein AMX am „Platz der deutsch-französischen Freundschaft“. Dieses Modell war einst in Berlin im Quartier Napoleon stationiert und kam mit dem Abzug der Franzosen 1994 in den Süden seines Produktionslandes. Hilfsbereite, geschichtsbewusste französische Soldaten und ihre deutschen Kameraden sowie zahlreiche deutsche Mitarbeiter der damaligen französischen Schutzmacht trugen viele Sammlerstücke in das neue Museum. Ohne diesen Einsatz hätte man nicht die rund 500 Sammlerstücke zusammentragen können, die man nun am neugeschaffenen „Platz der deutsch-französischen Freundschaft“ in Augenschein nehmen kann. 

Detlef Dzembritzki sagte im Pressegespräch: „Bei strahlendem Sonnenschein feiern wir hier den französischen Nationalfeiertag, die Eröffnung der militärhistorischen Sammlung und den neuen „Platz der deutsch-französischen Freundschaft“. Alles ist stimmig und ich habe schon einen Rundgang durch das Museum gemacht und bin sehr angetan. Man hat mit dieser militärhistorischen Sammlung auch dafür Sorge getragen, dass nachfolgende Generationen sich informieren können, was Frankreich für uns geleistet hat in den knapp 50 Jahren als Schutzmacht“. 

Keiner der geladenen Gäste wollte es offiziell ansprechen, jedoch war in persönlichen Gesprächen beim Empfang nach der militärischen Zeremonie oft die rhetorische Frage gestellt worden: Würden wir heute auf dem Boden der Bundesrepublik Deutschland stehen in der hiesigen Kaserne, wenn es in Westberlin die drei westlichen Schutzmächte nicht gegeben hätte? Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine mag da für die Findung der richtigen Antwort sehr hilfreich sein. Leider!

Text/Foto: Volker Neef

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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