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Menschen mit Spuren und ihre Wege durch die Krise Folge 23: Elke Jordan 

Elke Jordan, Foto: Joachim Skambraks

Elke Jordan ist Künstlerin. Ausserdem veranstaltet und organisiert sie Ausstellungen, verlegt Kunstbücher. Zudem leitet sie Kunstprojekte für Kinder und Jugendliche. 

https://kunst-am-bahnhof.de

Verlag: https://einpaarkuenstler.de/ 

MMS: Wie hinterlässt du aus deiner Sicht Spuren? 

Elke Jordan: Ich hoffe, in erster Linie mit meinen Bildern, die ich male. Menschen sollen sie betrachten und sich darauf einlassen. Vielleicht nehmen sie es mit nach hause und konfrontieren andere Menschen damit. Ich hoffe, dass ich mit meiner Kunst Spuren hinterlassen darf. 

MMS: Erzähl uns mehr über deine Kunst. 

Elke Jordan: Ich male Landschaften. Wenn ich das jetzt erzähle, dann stecken mich viele in eine Schublade und sagen: Ach Landschaftsmalerei war früher mal in Impressionismus und Romantik. Nach wie vor ist das ein unglaublich wichtiges Thema, sich mit Landschaften zu beschäftigen. Ich finde hoch spannend. Es ist aber auch für den Menschen insgesamt wichtig, weil die Natur ist ein wesentliches und wichtiges Thema. Wir brauchen nur an den Klimaschutz denken. Da geht man dann wieder in die politische Richtung. Meine Landschaften, die ich male, sind absolut leere Landschaften. Man sieht wirklich eine pure Landschaft. Es ist kein Mensch darauf, kein Tier und nichts von Menschen Erschaffenes. Das alles wird bewusst weggelassen. Der Betrachter, der sich das Bild anschaut, soll sozusagen seine eigene Geschichte erzählen und soll sich mit von dem Bild lenken lassen. Vielleicht erinnert er sich oder wird auch mit etwas konfrontiert, was eine Erinnerung ist an etwas, was der Mensch vielleicht gar nicht so gern gemocht hat. 

MMS: Wir als Gesellschaft mussten jetzt einen Lockdown und eine Pandemie durchleben. Was hat das mit dir privat, geschäftlich und künstlerisch gemacht? 

Elke Jordan: Keine schöne Zeit. Man kann nicht sagen, man konnte innehalten. Das war ganz und gar nicht so. Es war etwas Erzwungenes, etwas Neues, mit dem man sich auseinandersetzen musste. Mir fehlten die Menschen. Mir fiel das unglaublich schwer. Die Auseinandersetzung fehlte mir, mit der Kunst, über die Kunst. Es fanden keine Ausstellungen mehr statt. Wir haben am Anfang der Pandemie eine Gruppenausstellung aufgebaut. Die hat einfach nicht stattgefunden. Da hingen die Bilder in dem Raum, ohne dass ein Mensch die angeschaut hat. Das war nicht schön und hat keinen Spaß gemacht. 

MMS: Das gibt mir ein schönes Stichwort zur nächsten Frage. Welche Methoden, Denkweisen oder Arbeitsweisen haben dir geholfen besser durch diese Zeit zu kommen? 

Elke Jordan: Ich habe mich abgelenkt, was wahrscheinlich viele gemacht haben. Das Atelier aufgeräumt und Serien geschaut. Ich wollte trotzdem ganz bewusst die Kunst nicht vergessen. Nur Kunst zu machen, ohne dass man sie präsentieren, kann fühlt sich etwas sinnentleert an. Das ist einfach nicht sinnvoll. Wir haben trotzdem im Freien eine Gartenausstellung gemacht. Da haben wir gemerkt, wie hungrig die Menschen waren, Kunst zu sehen, sich auch zu treffen und mit Abstand miteinander zu sprechen. 

Ein Buch (Ode an das Schlafschaf) ist mit meinem Künstlerkollegen Gregor Netzer zusammen entstanden. Das sind Dinge, die man auch einfach zu hause erledigen kann. Man kann dann sagen, das wird später präsentiert. 

Elke Jordan, Foto: Joachim Skambraks 

MMS: Für dich als Künstlerin ist die frage fast müßig. In wie weit haben Kultur, Kunst, Theater, Musik oder Literatur geholfen, die Zeit besser zu überstehen? 

Elke Jordan: Ich muss ehrlich sagen, dass das ich am Anfang gedacht habe: Naja, Corona-Quarantäne ist nicht so schlimm. Ich arbeite sowieso allein in meinem Atelier und bin das auch gewohnt. Es kam erschwerend dazu, dass es etwas war, mit dem ich erst mal überhaupt nicht umgehen konnte. So bin ich schon fast depressiv geworden. Ich bin eben den Umgang mit Menschen und das Umarmen gewohnt. Gefehlt hat Menschen zu spüren oder anzufassen. Kunst ist dennoch etwas, was man nicht einfach aus dem Kopf bekommt. Das ist trotzdem da. Es sind in der Zeit keine neuen Bilder entstanden. Aber das Buch haben wir gemacht und es ist auch fertig geworden. Ich konnte mir Projekte ausdenken, die jetzt im Entstehen sind. Jetzt können wir langsam wieder Ausstellen. Da macht es wieder Sinn, Kunst zu machen und endlich wieder mit der Arbeit anzufangen. 

MMS: Hast du verstärkt auch ein Buch gelesen und wenn ja, welches? 

Elke Jordan: Ich habe viele Bücher gelesen, aber keines, was mich so richtig fasziniert hat, dass ich sagen kann: Das Buch hat mich gut durch die Krise gebracht. 

MMS: Atelier aufräumen und Zeit haben gibt einem gleichzeitig die Chance, dass etwas Neues oder eine Transformation entstehen kann. Was kannst du uns dazu erzählen? 

Elke Jordan: Es sind viele Gedankenspiele. Mit meinem Künstlerkollegen und Freund wollen wir einen Podcast starten. Das ist ein ganz neues Genre, mit dem wir uns jetzt beschäftigen wollen. Klar, wir machen weiter Bücher. Großformatige Bilder malen werde ich weiter machen. Und mit den Kindern arbeiten und merken, wie sehr die Krise auch sie gebeutelt hat. Kinder sind so unkompliziert und offen, wie sie wieder alles angehen. Es ist eine Win-Win-Situation mit Kindern zu arbeiten. Für mich, wie für die Kinder. 

MMS: Ich frage jetzt nochmal in Richtung Transformation: Hast du in der Pause um so stärker gemerkt, ja ich will wieder malen? 

Elke Jordan: Ich will wieder malen. Aber das war niemals die Frage. Das ist nie in meinem Kopf gewesen. Ich kann gar nichts anderes. Ich kann nur Kunst machen. 

MMS: Danke, dass wir reden konnten und für das inspirierende Interview. 

Die Künstlerin hat für diesen Artikel eines ihrer Landschaftsbilder freundlicherweise zur Verfügung gestellt:  

Fotos und Interview: Joachim Skambraks, Stimme der Hauptstadt.Berlin, Redaktion München 

 Hier finden Sie den Link zum Video: 

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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