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Menschen mit Spuren und ihre Wege durch die Krise. Folge 11: Ingrid Rothfuß 

Ingrid Rothfuß, Foto: Joachim Skambraks 

Menschen mit Spuren und ihre Wege durch die Krise. Folge 11: Ingrid Rothfuß

https://www.humortraining.eu/humor-club.html

http://www.ingrid-rothfuss.de/

MMS: Wie hinterlässt du aus deiner Sicht Spuren? 

Ingrid Rothfuß: Mir ist bewusst geworden, die meisten Spuren hinterlasse ich in meinen Seminaren. Ich freue mich immer, wenn meine Teilnehmer anschließend sagen: „Hey, das hat mir richtig viel gebracht. Das bringt mich weiter.“ Das gibt mir eine schöne Befriedigung, weil ich etwas getan habe, was jemand anderen hilft, jemanden weiterbringt. In den Verkaufstrainings, wenn sie dann wissen: Wie stehe ich dem Kunden gegenüber? Wie stelle ich was dar? Wie verkaufe ich mich? Wie verkaufe ich meine Produkte? oder: Wie bringe ich mein Angebot zum Abschluss? Das macht immer richtig viel Spaß. Die nächsten Spuren hinterlasse ich in Humor-Seminaren. Ich zeige den Leuten, wie sie im Alltag oder auch im Business fröhlicher sein, können mehr Leichtigkeit und Heiterkeit in ihr Leben bringen. Das Feedback, das dann kommt, das gefällt mir. 

MMS: Wir durchleben in den letzten eineinhalb Jahren eine Pandemie mit Lockdown und Krise. Wie hat sich das auf dich ausgewirkt? 

Ingrid Rothfuß: Krise war dann, als von jetzt auf nachher sämtliche Aufträge abgesagt wurden. Heute habe ich eine Mail gekriegt: Für die nächsten fünf Monate sind alle Aufträge abgesagt. Da kannst du dann schon überlegen, bringt mich das jetzt in eine Krise oder wie gehe ich damit um? Ich habe beschlossen, ich könnte mich ärgern, aber das mache ich nicht. Ich lach mal darüber. Du weißt ja, dass vor nicht allzu langer Zeit mein Mann verstorben ist. Da ist Lockdown ziemlich heftig gewesen. Wenn du fast 30 Jahre verheiratet warst und auf einmal bist du ganz alleine und dann kannst noch nicht einmal raus. Du sollst ja wirklich nicht raus. Da ist es schon sehr sehr einsam. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich da nicht raus käme. So nicht. 

MMS: Was hat dir durch die Krise geholfen? Welche Denkweise, welche Vorgehensweise, vielleicht welche Methode? 

Ingrid Rothfuß: Ich wäre nicht ich, wenn ich mich da eingebuddelt hätte und nicht gerufen hätte: Hallo, hier bin! Ich habe dann genau das gemacht, was ich auch meinen Teilnehmern sage. Ich habe meine eigenen Empfehlungen und Tipps umgesetzt. Zum Beispiel: Als wirklich alles dicht war und nur noch der Lebensmittelhandel auf hatte, da gab es bei uns einen Geschenkeladen, der durfte offen haben. Der verkaufte Öle und Essige. Dieser Geschenkeladen verkauft auch Postkarten. Jeden Tag bin ich da hingelaufen und habe mir eine Postkarte mit einem witzigen Spruch gekauft. Die habe ich dann zu hause bei mir am großen Spiegel im Flur alle hingehängt. Immer wenn meine Kinder kamen, dann haben sie geguckt, welche Karte ist neu, was gefällt denen auch. Gemeinsam sind wir vor den Karten gestanden und haben gelacht. Oder: Ich habe bewusst jeden Tag mindestens eine Person, meistens zwei bis drei Personen angerufen und habe mich mit denen unterhalten. Eine war immer dabei, die ich schon lange nicht mehr gesprochen hatte. Das Adressbuch ist voll und ab und zu rutschen auch ganz gut Freunde ins Hintertreffen. Die Zeit habe ich bewusst genutzt, diese Freundschaften wieder aufleben zu lassen. Es waren richtig tolle Gespräche dabei. Viele waren sehr überrascht und haben sich gefreut, wieder was von mir zu hören. Wenn du jemand anderem eine Freude machst, die kommt sofort zurück. Diese Zeit habe ich bewusst genutzt, Menschen eine Freude zu machen. Egal ob die Kassiererin, Freunde, meine Kinder, meine Mutter egal wer, ich habe die Zeit bewusst so genutzt. 

Ingrid Rothfuß, Foto: Joachim Skambraks 

MMS: Das Projekt „Menschen mit Spuren“ hat auch zum Inhalt Kunst, Musik, Literatur oder Theater. Was aus diesem Bereich hat dir geholfen ein bisschen besser durch die Krise zu kommen? 

Ingrid Rothfuß: Das Theater hat gar nicht geholfen, weil die waren zu. Was mehr geholfen hat, waren Musik und Bücher. Ich habe in der Zeit ein Buch von einer Trainerkollegin gelesen. Cordula Nussbaum hat ein Buch geschrieben. Das heißt „Geht ja doch“. An diesem Buch hat mich fasziniert, dass sie mit ihrer Familie auswandern wollte. Sie hat ganz viel Gegenwind bekommen von Schule und vielen anderen Menschen. Das könnt ihr doch nicht machen mit schulpflichtigen Kindern. Sie hat gezeigt, dass es doch geht. Es sind ganz viele Tipps drin, was man tun kann. Ich finde richtig gut, etwas zu lesen, was einen selber aufbaut, was auch mal den einen oder anderen Tipp gibt. Zudem schreibt sie richtig pfiffig und lustig und ich habe zwischendurch öfter gelacht. Dann habe ich bewusst noch ein anderes Genre genommen. Ich habe die verschiedenen Serien der „Sieben Schwestern“ gelesen, was ich auch sehr schön fand. Diese Buchreihe hat mich sehr angesprochen. Ich habe bewusst die Dinge herausgesucht, die mir Spaß machen. Beim Fernsehen habe ich bewusst Sendungen gesehen, die mich zum Lachen bringen, also weniger Krimis oder Dokumentationen, sondern Komödien und lustige Sachen. Musik ist auch ein Thema. Mit Spotify und Co ist es heute ja total einfach, sich die Lieder in eine Liste zu kopieren, die einem zum einen gefallen oder zum anderen fröhlich stimmen. Ich habe mir bewusst eine Liste gemacht mit meinen gute Laune Songs. Das sind so Lieder wie „The best Day of my Life“ oder „It’s a beautyful Day“ oder „Walking on Sunshine“. Was das für eine tolle Wirkung hat, habe ich beim Bügeln gemerkt. Ich wollte gar nicht mehr aufhören zu bügeln. Weil ich wollte immer weiter meine Musik hören und schwuppdiwupp waren die ganzen Stapel weggebügelt. 

Ich habe vor ein paar Tagen ein Bild von meiner Tochter per WhatsApp geschickt bekommen. Ich habe das Bild angeschaut und gedacht: Hey, das schaut ja richtig cool aus, ein toller Blumenstrauß. Nur hatte ich keine Brille auf. Ich musste das Bild etwas größer zoomen und dann habe ich schallend gelacht. Ich habe ihr zurückgeschrieben: Das hat ja echt was von einem Kunstwerk! 

Hier sehen Sie das Kunstwerk von einem Bild: 

Foto: Familie Rothfuß privat 

MMS: Was in diesen Interviews immer wieder interessiert, ist die Frage: Stillstand und Auszeit haben ja auch die Chance, etwas neues zu gebären. Was ist bei dir an Innovation oder Transformation passiert? 

Ingrid Rothfuß: Ich habe richtig viele Anfragen gekriegt von Menschen, die gerade in Corona Zeiten raus aus ihrem Tief wollten. Sie haben sich interessiert, wie sie es mit Humor machen können. Als ich mir dann überlegt habe: Wer sind denn die meisten Menschen, die anrufen, war ich verblüfft. Es waren Lehrer. Lehrer haben gefragt: Was kann ich denn tun, damit der Unterricht interessanter wird, gerade wenn ich ihn für meine Schüler online halte? Wie kann ich das besser gestalten? Ab 2022 gibt es die Möglichkeit, Humor zu trainieren und zu üben. Ich bin dabei, einen Humorclub zu gründen für alle die Menschen, die Lust haben, mehr mit Humor zu machen und humorvoller zu werden und mehr Leichtigkeit in ihr Leben zu bringen. Da wird es viele verschiedene Dinge geben. Wie kann ich denn selber Witze erfinden? Sie gehören irgendwie auch zu Humor. Es wird die Möglichkeit geben, eigene Situationen, die man künftig humorvoller gestalten will, zu besprechen und sich mit anderen auszutauschen. Mit welchen Techniken kann man welche Reaktion bringen und zeigen. Wir werden uns Profis zu unterschiedlichen Themen anhören. Meine Ideen sind riesengroß. Lass dich überraschen. 

MMS: Da wünsche ich viel Erfolg dabei. Danke für die schönen Ideen und für deine ehrlichen und persönlichen Antworten. 

Fotos und Interview: Joachim Skambraks, Stimme der Hauptstadt.Berlin, Redaktion München 

Ach, im Video gibt es noch einen Witz als Zugabe. Einfach mal reinschauen. Hier finden Sie den Link: 

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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