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Intendant Günter Rüdiger: Konstantin und Larisa sind nicht Kriegslüstern 

Intendant Günter Rüdiger (Foto: Rabab Nassabaih)

Intendant Günter Rüdiger: Konstantin und Larisa sind nicht Kriegslüstern 

Günter Rüdiger ist der Intendant und Künstlerische Leiter des Zimmertheaters in der Bornstraße in Berlin-Steglitz.

Im Rahmen einer Aufführung des Magiers Chris Hyde betrat Günter Rüdiger am 19. März die Bühne vor dem Auftritt des Salonmagiers und gab eine Erklärung ab.

Der Intendant sagte: „Man muss doch nicht betonen, dass uns Künstler der Krieg in der Ukraine und die vielen Toten und zahlreichen Vertreibungen sehr, sehr betroffenen macht! Da sterben durch Bomben und Kugeln Menschen. Mütter, Väter, Brüder, Schwestern, Ehefrauen, Kinder weinen um den Liebsten oder die Liebste, die sie durch diesen sinnlosen Krieg verloren haben. Das alles geschieht auf einem Boden, der im Zweiten Weltkrieg leiden musste, wie kein anderer Boden. In der damaligen UdSSR kamen durch faschistische Hände 26 Millionen Bürger der Sowjetunion ums Leben“.

Günter Rüdiger sagte dann bewegende Worte: „Hier im Zimmertheater treten Künstler auf, alles von mir sehr geschätzte Kolleginnen und Kollegen, die aus der ehemaligen Sowjetunion stammen. Da kommen Kollegen aus der Ukraine, aus Russland oder Ländern wie Usbekistan, Aserbaidschan. Vollkommen egal, welche Nationalität sie heute haben, ob den deutschen Pass, den ukrainischen oder den russischen oder den usbekischen. Dazu zählen beispielsweise der 1958 in Charkow geborene Gitarrist Konstantin Popov und das Klezmer Ensemble „Erev Tov“. Es spielt traditionelle jüdische Musik des 19. und 20. Jahrhunderts aus Osteuropa mit dem Schwerpunkt Ukraine, Besarabien, Belarus sowie Melodien und Lieder aus Israel.
Bei den Konzerten werden auch „jüdische Witze“ aus Odessa und vom jüdischen Leben im „Stetele“ erzählt. Die Kollegen Bruchstein, Sverdlov, Kurtev und Dzampajev bilden das Klezmer Ensemble „Erev Tov“. Ebenso tritt im Zimmertheater regelmäßig „The Malinka Band“ auf. Die Kolleginnen und Kollegen Larisa Onusajtene-Graf, Tatjana Kens und Vadim Borovinski spielen für unser Publikum Tangos, Walzer, Filmmusik, Swing, Klezmer Lieder und Melodien der 50., 60., 70. Jahre aus Russland, Deutschland, Polen. Niemand, ob mit ukrainischen oder russischen oder deutschen oder sonstigen Wurzeln steht auf der Seite von Vladimir Putin. Alle Künstler verurteilen auf das Schärfste diesen Krieg! Was ich aber nicht dulde, das sage ich als Intendant klar und deutlich: Einen Kollegen, eine Kollegin aus Russland in Sippenhaft für diesen mörderischen Krieg zu nehmen! Weder Konstantin noch Larisa oder ein anderer Künstler aus Russland befürworten den Krieg und das Vorgehen von Vladimir Putin! Daher gibt es bei uns im Haus auch kein Russen-Bashing! Ich spreche mich dagegen aus, liebgewonnene und hochgeschätzte Kolleginnen und Kollegen bei uns im Haus von Auftritten auszuschließen, bloß weil deren Wiege in Moskau oder Leningrad bzw. St. Petersburg gestanden hatte“.

Der Intendant erinnerte daran: „Eine Sippenhaft hatten wir schon einmal in Deutschland. Wer es vergessenen habe sollte, der sei daran erinnert: Die Zeit der Sippenhaft war identisch mit der Zeit, in der in der UdSSR 26 Millionen Menschen und in Deutschland und anderen Ländern 6 Millionen Juden ums Leben kamen“. Das Publikum zollte den deutlichen Worten von Intendant Günter Rüdiger starken Beifall. (Text: Volker Neef/Foto: Rabab Nassabaih)

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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