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Der Anhalter Bahnhof  – Wussten Sie schon…?

(Foto: Marcus Held)

Der Anhalter Bahnhof  – Wussten Sie schon…?

Die Bundeshauptstadt Berlin mit ihren 12 Bezirken und fast 100 Ortsteilen bietet den Einheimischen und den Gästen eine reiche und buntgemischte Palette an.

Dazu zählen neben verstorbenen und lebenden prominenten, manchmal auch kuriosen, Menschen die zahlreichen Gebäude, Straßen, Plätze, Parks, Denkmäler und Seen.

Wir haben für unsere werten Leser das ein oder andere Interessante aus Berlin herausgegraben bzw. wiederentdeckt und stellen es vor.

Der Anhalter Bahnhof (Foto: Marcus Held)

Der Anhalter Bahnhof– Wussten Sie schon…?Es soll Zeitgenossen geben, die als Besserwisser oder Scherzbolde auf sich aufmerksam machen! Das erlebt man gelegentlich, wenn der Name Anhalter Bahnhof fällt. In Berlin-Kreuzberg befindet sich heute oberirdisch nur noch ein Teil des Hauptportals des ehemaligen Fernbahnhofs. Dabei handelt es sich um eine Ruine. Der Fernbahnhof wurde durch im Zweiten Weltkrieg abgeworfen Bomben fast vollständig zerstört. 1959 nahmen Handwerker Abbrucharbeiten an dem Restgebäude vor.Unterirdisch trägt eine S-Bahnstation den Namen Anhalter Bahnhof. Diese Einweihung erfolgte 1939. Bereits knapp 100 Jahre zuvor, nämlich 1841, wurde der Anhalter Bahnhof eröffnet.
Er trägt seinen Namen nicht, wie einige Besserwisser oder Witzeerzähler meinen, weil hier einst Fernzüge anhielten und heute S-Bahnzüge immer noch anhalten. Dann müsste ja jeder Bahnhof, an dem Züge anhalten, logischerweise Anhalter Bahnhof heissen.Der Name des in Kreuzberg stehenden Endbahnhofs der Sächsischen, später Berlin-Anhaltischen Eisenbahn, geht natürlich auf Sachsen-Anhalt und das adlige Geschlecht der Anhaltiner, die 1806 die Herzogswürde erhielten, zurück.Eisenbahnfreunde und Historiker wissen zu berichten, der Anhalter Bahnhof gehörte bis 1945 zu den sehr stark frequentierten Bahnhöfen Berlins. Das lag auch an seiner herausgehobenen Lage. In seiner unmittelbaren Nähe befindet sich der Verkehrsknotenpunkt Potsdamer Platz.Was Bomben im Zweiten Weltkrieg nicht vermocht hatten, nämlich den Anhalter Bahnhof auszulöschen, machte die Teilung Deutschlands endgültig möglich.Der Anhalter Bahnhof wurde nicht nur bedeutungslos, oberirdisch verschwand er 1952 von der Bildfläche in seiner Funktion als Haltepunkt für Züge.Die in der DDR sitzende Deutsche Reichsbahn hatte kein Interesse daran, einen Fernbahnhof im US-Sektor der geteilten Stadt Berlin aufrechtzuerhalten. Nur wenige Bürger hatten damals auch Lust und Laune, von Westberlin aus ins Anhaltinische zu fahren. Es lag ja im Hoheitsbereich der Siegermacht UdSSR. So fertigte der Bahnhofsvorsteher des nur noch aus Ruinen bestehenden Anhalter Bahnhofs 1952 den letzten Zug in Kreuzberg hier oberirdisch ab.
Zu seinen Lebzeiten war der Bahnhof ein imposantes Gebäude gewesen, immerhin betrug die Bahnsteighalle über 170 Meter Länge und hatte eine Breite von fast 62 Metern.Sechs Hauptgleise und ein Zwischengleis an zwei Seiten- und zwei Mittelbahnsteigen konnte der Anhalter Bahnhof seinen Passagieren anbieten. An diesem Bahnhof befanden sich auch sehr edle Aufenthaltsräume. Diese waren aber nicht zu betreten, es sei denn, der Fahrgast waren Seine Kaiserliche Majestät persönlich oder ein sehr enges Familienmitglied des Kaisers und seiner Gattin. Die kaiserlichen Gäste verweilten hier einige Minuten, bis ihr Zug zur Abfahrt bereitstand. 
Einen ehemaligen Fernbahnhof, mitten in Berlin-Kreuzberg, an dem heute Besserwisser und Scherzbolde immer noch ihre Freude haben, wenn der Name erklingt. Eine der so vielen merkwürdigen, aber liebenswerten Dinge in Berlin. 

(Text/Foto: Marcus Held)

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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