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AVUS Nordkurve

Foto: Stimme-Der-Hauptstadt /Volker Neef

Die AVUS Nordkurve

Einst fanden in Berlin Auto- und Motorradrennen statt. Die Austragung dieser Rennen erfolgte auf der AVUS – Automobil Verkehrs und Übungsstraße. Diese AVUS wurde von 1913 bis 1923 errichtet, war knapp zehn Kilometer lang und endete in zwei Schleifen, die heute Teil der Autobahn sind. 1999 fand leider das letzte Autorennen statt, doch eine 1936 errichtete Tribüne steht noch immer. Der Autofahrer von heute, kommt direkt an dieser Tribüne vorbei, wenn er von Berlin nach München fährt. An die Zeit als Rennstrecke erinnern die Skulpturen Gruppe „Motorradfahrer“, die direkt gegenüber des vor sich dahinsiechenden und geschlossenen ICC an der Halenseestraße/Ecke Messedamm steht.

Max Esser (1885 bis 1945), ein Berliner Bildhauer, hat die Skulpturen geschaffen. Von ihm stammt beispielsweise auch das 1912 erschaffene Kunstwerk Fuchsbrunnen, das im heutigen Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg in den Ceciliengärten aufgestellt ist. Sein 1936 erschaffenes Kunstwerk Haubentaucher befindet sich am Gehege der Flusspferde im Zoologischen Garten. Der Künstler fertigte in den Jahren 1938 bis 1939 drei Motorradplastiken an. Durch die Kriegswirren ging eine davon verloren. 1989 stellte der Bezirk die Motorradfahrer auf. Es sind überlebensgroße Motorradsportler zu sehen, die sich in den Windschatten weit nach vorne über ihre Fahrzeuge beugen. Die dort zu sehenden Motorradsportler stellen Ernst Henne und Ewald Kluge dar. Ernst Henne fährt eine BMW, der als „Schnelle Henne“ bekannte Sportler verstarb 2005 mit 101 Lebensjahren. Ewald Kluge, der von 1909 bis 1964 lebte, ist auf der Skulptur auf einem Motorrad der Marke DKW zu sehen. Das Kunstwerk ist auf einem Ziegelsteinsockel aufgestellt. Berliner Unternehmer starteten 2008 eine Initiative und Geldsammlung, um die Skulptur erfolgreich zu restaurieren.

Bildhauer Max Esser hatte vor dem Zweiten Weltkrieg auch den Motorradsportler Heiner Fleischmann als Skulptur hergestellt. Der Motorradfahrer lebte von 1914 bis 1963. Er saß auf einer NSU. Alle Skulpturen ließ Max Esser in der Berliner Bildgießerei Noack anfertigen. Das 1897 gegründete Familienunternehmen ist heute noch in Charlottenburg sehr aktiv und kann auf zahlreiche Werke verweisen. So stammt die rekonstruierte Schadowsche Quadriga auf dem Brandenburger Tor aus der Gießerei Noack. Das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten am Charlottenburger Schloss ist ebenso ein Produkt aus dem Hause Noack wie die Skulptur Flamme am Charlottenburger Ernst-Reuter-Platz und die Plastik des ehemaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer. Dieses Kunstwerk steht am gleichnamigen Adenauerplatz in Charlottenburg. Weltweit bekannt ist diese Gießerei durch die Filmfestspiele Berlinale. Die Berliner Unternehmung fertigt seit 1951 die Preise, die Bären, für die internationalen Filmfestspiele an. 

ABZ-Fact: Die Skulptur „Motorradfahrer“ liegt sehr versteckt an der Nordkurve, der heutigen Bundesautobahn A 115, am Zubringer Magdeburg. Nur sehr selten verirren sich Gäste dorthin. Das liegt sicherlich auch daran, an der belebten Straße sind keine Parkplätze vorhanden. Dieses Kunstwerk verdient mehr Aufmerksamkeit! Stellt es doch einen Teil der Geschichte des Motorsports in der Bundeshauptstadt Berlin dar und zeigt zudem noch zwei Größen des internationalen Motorradsports.

ABZ-Service: Das Kunstwerk befindet sich in Charlottenburg, Messedamm 23. In unmittelbarer Nähe liegt die S Bahnstation Westkreuz. Per Buslinie 349 ist die Skulptur ebenfalls zu erreichen. Die Haltestelle trägt den Namen Messegelände/ICC.

(Stimme-Der-Hauptstadt Text/Fotos: von Volker Neef)

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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