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Robin Hood in der Eremitage Bayreuth – Familientheater 

Studiobühne Bayreuth (Foto: Thomas Eberlein)

Robin Hood in der Eremitage Bayreuth – Familientheater 

Das Römische Theater in der Eremitage Bayreuth, wo Markgräfin Wilhelmine von ihrem Arkadien träumte und vielleicht sogar selber auf der Bühne stand, diesen Ort hat sich die Studiobühne Bayreuth dieses Jahr wieder ausgewählt. Dort bietet sie Theater für vorzugsweise laue Sommernächte an – in der arkadischen vollen Pracht der Natur. 

Das Familienstück „Robin Hood“ von Michaela Obertscheider läutet die Sommersaison ein. Doch wie bekommt man die Erwartungen von Kindern und Erwachsenen unter einen Hut? Der geeignete Ort ist sicher die eindrucksvolle Theater-Ruine, in der vielleicht zu Sonnenuntergang die Elfen und die Bäume des umgebenden Waldes lebendig werden und ihr gut gemeintes Unwesen treiben. Der Text des Stücks weist jedoch immer wieder auf unsere bedrohte Natur hin. 

Studiobühne Bayreuth (Foto: Thomas Eberlein)

Da trifft es sich gut, dass ein gelangweilter Robin Hood (ein agiler Matthias Aigner mit viel Energie) von einem gewieften und wendigen Dachs (Jürgen Skambraks) und einer sprechenden Eule in einer blauen Eiche zu neuen Aufgaben ermuntert wird. Als er dann die liebreizende Marian (Alex Leschinsky wirkt überzeugend und vielseitig), die Nichte der aktuell hart regierenden Königin kennenlernt, steht der Pakt zusammen mit dem dritten Mitstreiter Little John: Wir nehmen es von den Reichen und geben es den Armen wieder. Schließlich ist der König auf Auslandsreise, und so treibt die selbstverliebte Königin (sehr exzentrisch: Ute Schlüchtermann) zusammen mit dem Sheriff von Nottingham (Gordian Beck sorgt reihenweise für Situationskomik) ihr Unwesen und beutet das Volk aus. 

Den Rahmen für die Handlung geben die sprechende Eule (geheimnisvoll gespielt von Alex Leschinsky) und eine riesige Schnecke (Ute Schlüchtermann und Gordian Beck) in Pink. 

Nach vielen Beutezügen wird Robin Hood eine Falle gestellt. Einen Wettbewerb im Bogenschießen kann sich der geübte Schütze nicht entgehen lassen. Trotz Verkleidung wird er entlarvt und verhaftet. Natürlich folgen am Ende Robins Befreiung und die Rückkehr des Königs mit der Begnadigung. 

Studiobühne Bayreuth (Foto: Thomas Eberlein)

 Die Inszenierung in der Regie von Birgit Franz bietet viele Höhepunkte. Einer davon ist der Auftritt eines Conférenciers (Jürgen Skambraks in einer von vier glänzenden Rollen) beim Wettbewerb. Ein schrilles Showkostüm mit cooler Sonnenbrille und Käppi sorgen für hörbare Begeisterung im Publikum. 

Unterstützt wird das Spiel und die vielen einfühlsamen musikalischen Einspielungen und Lieder (Musik von Jürgen Skambraks) durch die großartigen und schnell zu wechselbaren Kostümen von Barbara Seyfried und ihre ideenreiche Ausstattung. So kommt das Stück ohne großes Bühnenbild aus, was in der grandiosen Kulisse aber überhaupt nicht fehlt. Hervorzuheben sind eine große blaue Eiche, eine überdimensionale Schnecke und eine unterhaltende Szene mit fünf Fenstern. 

Schnelligkeit, Spielfreude und guter Rhythmus zeichnen das Team der Schauspieler aus. In den Gesangseinlagen wird der Zusammenhalt der Schauspieler spürbar. Sie glänzen einfach gemeinsam zur Freude von Kindern und Erwachsenen. Diese danken es mit ehrlich gemeintem Szenenapplaus. 

Die Stimmung bei allen Besuchern ist leicht und fröhlich, und wer den Weg durch den barocken Park zurück schlendert, blickt in viele glänzende Kinderaugen, deren Besitzer glücklich nach Hause schweben. Vielleicht weht ja doch ein Hauch von Arkadien durch die Eremitage. 

Text: Joachim Skambraks/Foto:Thomas Eberlein)

 

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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