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Potsdam hat den Dreh raus

(Foto: Frank Pfuhl)

Potsdam hat den Dreh raus

Das Filmmuseum Potsdam

Heutzutage wissen nur noch Cineasten und Filmschaffende, warum es heißt „einen Film drehen“,

Früher hatte der Kameramann eine Kurbel an der Kamera. So entstand per Handkurbel der Film. Der Kameramann musste immer im gleichen Rhythmus die Kurbel betätigen, sonst merkte der Kinobesucher später, dass es mal ungewollt schnell und mal ungewollt langsam zuging in diesem Streifen. Wenn hier vom Kameramann gesprochen wir, hat das seinen Grund! Damals waren Frauen am Film nur als Darstellerinnen, Kostümschneiderin und Maskenbildnerin erwünscht. 

Das Filmmuseum Potsdam residiert an sehr historischer Stelle. Da, wo einst 1685 die Rösser der Preußenkönige gehalten worden sind, ist es seit 1981 angesiedelt. Die Gründung fiel also noch zu Zeiten der DDR. Bis 1990 hieß das Museum „Filmmuseum der DDR“. 

Es befindet sich jetzt an sehr ehrwürdiger Stelle, nämlich direkt neben dem wiedererbauten Stadtschloss. Heute ist das Volk im Stadtschloss zu Hause. Dort treffen sich die Landtagsabgeordneten Brandenburgs, die ja auch den Titel Volksvertreter tragen. 

Seit 2011 gehört das Filmmuseum Potsdam zur Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Potsdam darf für sich in Anspruch nehmen, das älteste Filmmuseum auf deutschem Boden zu sein. Eine Ausstellung begeistert Cineasten aus Nah und Fern! Dabei handelt es sich um die ständige Ausstellung „Traumfabrik. 100 Jahre Film in Babelsberg“. Im Potsdamer Ortsteil Babelsberg entstanden 1912 die ersten Filmstudios. Damit sind dort die weltweit ältesten Filmstudios der Welt gegründet worden.

Seit Oktober 2019 hat die Landeshauptstadt Potsdam das Recht, sich „Anerkannte Kreativstadt des Films“ zu nennen. Die UNESCO verlieh Potsdam diese Würdigung. 

Wer das Filmmuseum in Potsdam betritt, kann einen Sprung in die Vergangenheit der Filmproduktionen machen. Die meisten dieser Hinweise und Sehenswürdigkeiten der Filmproduktionen beziehen sich auf Kinofilme. Natürlich zeigten die TV-Anstalten seit jeher auch einige dieser Filme.

Wenige Filme sind bei Drehbeginn ausschließlich für das Fernsehen produziert worden. Die zu betrachtenden Sehenswürdigkeiten für nur TV-Produktionen sind im Filmmuseum Potsdam in der Majorität.

Das Kino steht im Vordergrund und alles, was mit dem Kino damals zu tun hatte. Es gibt zwar noch das bekannte und beliebte „Deutsche Filmorchester Babelsberg“; allerdings geht es regelmäßig auf Tournee und wirkt in TV-Shows mit. Im Kino „in der Innenstadt“ tritt seit vielen Jahrzehnten kein Filmorchester mehr auf, wenn ein Film gezeigt wird. Sogar den Kinopianisten, der als Solist das Kinopublikum einst begeistert hatte, trifft man nicht mehr im Kinosaal an. Dafür findet man im Filmmuseum Potsdam eine Orgel an.

Es ist eine Orgel aus dem Hause „M. Welte & Söhne“. Im Schwarzwald gründete 1832 Michael Welte diese Unternehmung. Ein einzelner Orgelspieler konnte mit seinem Können die Kinobesucher in die Illusion versetzen, ein großes Orchester spielt im Kinosaal. Der Solist an der Orgel sorgte für eine Kostenersparnis für den Kinobetreiber. Man musste nur den Orgelspieler entlohnen und nicht mehr ein ganzes Orchester.

Daher entschieden sich damals viele Kinobesitzer für den Kauf der teuren Orgel, die sich aber schon bald amortisieren sollte. Der Orgelbauer Welte verabschiedete sich bereits 1952 vom Markt. In Potsdam kann der Museumsbesucher eine Original Welte-Orgel in Augenschein nehmen. Im Filmmuseum wird auch an manchen Tagen die Orgel zum Erklingen gebracht. Das Orgelkonzert dient nicht nur dazu, Museumsbesucher zu begeistern. Durch den Gebrauch der Orgel wird verhindert, dass es heißt „Wer rastet, der rostet“. Eine Orgel, die lange Zeit nicht bespielt wird, gibt ihren Geist auf. So dürfen sich Cineasten daran erfreuen, wenn zu einem Stummfilm die Welte-Orgel erklingt. Im Museum werden täglich Filme gezeigt. Wer sich mit Filmutensilien eindecken möchte, macht einen ausgiebigen Bummel durch den Museumsshop und landet garantiert zahlreiche Treffer. Dort kann man auch Bücher zur Geschichte des Films, DVD, Blu-ray, Devotionalien sowie Postkarten und Filmplakate erwerben.

Nicht nur Freunde des Films werden von diesem Museum begeistert sein!

(Text: Volker Neef/Foto: Frank Pfuhl)

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Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

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