Stefan Seidler, MdB setzt sich für deutsche Minderheit in Polen ein
14. Juli 2022
Gelsenkirchen- Fotoschätze aus den 60er-Jahren- Buchvorstellung 
15. Juli 2022
alle anzeigen

Gal Costa im Haus der Kulturen der Welt

Gal Costa (Foto: Marinete de Souza)

Gal Costa im Haus der Kulturen der Welt

Brasilien ist, vielleicht neben den Vereinigten Staaten, das Land mit der vielfältigsten Musik der Welt. Die brasilianische Kultur ist reich an musikalischen Ausdrucksformen. Ursprünglich handelte es sich um Musikfolklore, aus der sich allmählich, mit dem Entstehen von Massenmedien wie Radio und Schallplatte, die brasilianischen Populärmusik (Música popular brasileira), herausbildete. Darin gibt es viele Rhythmen und Stilrichtungen. 

Am 13. Juli 2022 gab die berühmte brasilianische Sängerin Gal Costa auf der Dachterrasse im Haus der Kulturen der Welt in der John-Foster-Dulles-Allee in Berlin-Mitte ein Konzert.

Gal Costa schreibt weder die Musik noch die Texte ihrer Lieder. Die Mehrheit ihrer Lieder wurde von Gaetano Velosogeschrieben,einem der großen Sänger der brasilianischen Populärmusik. Auch andere Freunde und Kollegen haben für sie In ihrer jahrzehntelangen Karriere Lieder geschrieben. Mit Ihrem Sopran und dessen einzigartigen Timbre ist sie eine der großen Stimmen der brasilianischen Populärmusik. Für João Gilberto, einem der Granden der brasilianischen Populärmusik, ist sie die größte Sängerin Brasiliens. 

Gal wurde im Jahre 1945 in Bahia geboren, dem Zentrum der brasilianischen Musik. Bereits als Kind interessierte sie sich für Musik, mit 15 begann sie, Gitarre zu lernen. Eine musikalische Offenbarung für sie war der Sänger João Gilberto. Ihn zu hören „veränderte mein Leben von Grund auf. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie ich sang, ehe ich João Gilberto hörte“.

Gal Costa (Foto: Marinete de Souza)

Ihre erste Musikaufnahme erfolgte im Jahre 1965, als sie auf einer Platte von Maria Bethânia mit dieser ein von João Gilberto geschriebenes Duett sang.  Im Jahre 1968 gehörte sie zur musikalischen Bewegung desTropicalismo (oder der Tropicália), sie war die Muse des Tropicalismo. Das war eine musikalische Erneuerungsbewegung, die einige traditionelle brasilianische Musikstile mit modernen Richtungen wie Rock und Pop verband. Zu jener Zeit wurden zum ersten Mal in der brasilianischen Musik elektrische Instrumente eingesetzt; bis dahin mussten sich die Musiker auf akustische Instrumente beschränken. Untergründig wandte sich die Musik des Tropcalismo auch gegen die damals in Brasilien herrschende Militärdiktatur, die eine umfassende Medienzensur verfügte. Ein Jahr später, 1969, kam Gals erste Platte heraus. Im Jahre 1971 erzielte sie ihren musikalischen Durchbruch mit einer Musik-Show, deren Live-Aufzeichnung von vielen Musikkritikern als die radikalste Platte der brasilianischen Populärmusik angesehen wird.

„In meiner Musik hat es immer einen Einfluss des Jazz gegeben“, sagt Gal. „Als Teenager hörte ich die Musik von Sarah Vaughan, Ella Fitzgerald und Billie Holiday. Diese Diven inspirierten mich. Ich habe Jazz immer geliebt, und wenn man Musik hört, die man liebt, dann beeinflusst einen das natürlich.“

Die Künstlerin hat 31 Studioplatten und CDs und 12 Live-Alben aufgenommen;

im Jahre 2011 gewann sie den Grammy Latino. „Wenn ich sage, dass meine Musik spirituell ist, dann ist das, weil sie die Menschen in der Seele ergreift, Sie ist die Kunstform, die die Menschen in radikalster Form am meisten berührt.“

Auf der Bühne war sie in ein knöchellanges, schwarzes Kleid im Kimonostil gewandet. Ihre Lieder waren häufig Bossa Nova, die Jazz-Einflüsse waren sehr verhalten. Ihre Musik ist einfach strukturiert und daher sehr eingängig. Da sie auf ein Leben mit musikalischen Erfolgen zurückblicken kann, sang sie, es versteht sich von selbst, einige ihrer Klassiker wie „Lua de Mel“, „Sorte“ oder „Um dia de domingo“. Die zahlreich erschienen Brasilianer sangen mit, weil sie alle ihre Lieder kannten. In Brasilien lebt die Musik – und „deus é brasileiro“. Das bedeutet: „Gott ist Brasilianer“.

Text: Gernot Volger

Fotos: Marinete de Souza

Print Friendly, PDF & Email
Frank Pfuhl
Frank Pfuhl
SDHB Redaktion Berlin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.